Über die Montessori-Pädagogik

ÜBER MONTESSORI

Eine globale und soziale Bildungsbewegung

Montessori-Pädagogik ist eine globale, soziale Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, dass Kinder auf der ganzen Welt von ihr profitieren. In Deutschland ist diese Montessori-Bewegung von Menschen geprägt, die sich für einen achtsamen und respektvollen Umgang mit Kindern und Jugendlichen einsetzen. Jedes Kind ist ein wertvolles Individuum und hat ein Recht auf qualitativ hochwertige Bildung. Zahlreiche Erwachsene engagieren sich in Deutschland für dieses Recht.

Die Landschaft von Montessori-Kinderhäusern und Montessori-Schulen ist großflächig und divers. Montessori Deutschland bietet auf der Seite KITA/SCHULE finden eine Übersicht. In jedem Bundesland gibt es Bürger:innen, die sich für eine Vielfalt in der Bildung ehrenamtlich engagieren.

Zeitgemäße Bildung im Sinne des Gemeinwohls

Die Ärztin, Reformpädagogin und Philosophin Dr. Maria Montessori hat in zahlreichen Reden und Publikationen nichts weniger als eine Revolution im Bildungswesen gefordert. Auch ein Jahrhundert später sind wesentliche Fortschritte ausgeblieben. Längst sind die wissenschaftlichen Thesen, die Dr. Montessori durch die damalige Methode der Beobachtung aufgestellt hat, von heutigen Bildungsforscher:innen, mit heutigen Methoden, belegt. Doch von einer Schule ohne Noten, Lernen ohne Druck, der Anerkennung des Individuums und echter Inklusion sind wir in der traditionellen deutschen Bildungslandschaft nach wie vor weit entfernt.

Diese Lücke, diesen Bedarf, füllt die Montessori-Pädagogik und ihre Umsetzung in Montessori-Kinderhäusern und Montessori-Schulen in ganz Deutschland. Eltern, Großeltern, Lehrer:innen, Erzieher:innen und anderen Pädagog:innen engagieren sich im Sinne des Gemeinwohls, für alle Kinder und Jugendlichen und damit für unsere Zukunft.

 

Was ist Montessori-Pädagogik?

In der Montessori-Pädagogik steht das einzelne Kind und der/die individuelle Jugendliche im Mittelpunkt. Die Umgebungen, in der Kinder und Jugendliche ihren Alltag verbringen, sind auf ihre jeweiligen physischen und psychischen Bedürfnisse abgestimmt.

Von der Kindheit zur Jugend

Für jede Entwicklungsstufe gibt es das passende Material, das zum Entdecken, Forschen und Lernen anregt und motiviert. Selbstständigkeit und Unabhängigkeit sind die Ziele in jeder Entwicklungsphase. „Hilf mir, es selbst zu tun.“, ist wohl das berühmteste Zitat von Dr. Maria Montessori. Das ist das Motto im Montessori-Kinderhaus. In der Montessori-Grundschule lautet das Motto „Hilf mir, selbst zu denken.“ und in der Montessori-Sekundarstufe geht es darum, dass die Erwachsenen der Jugendlichen Community helfen, selbstständig zu agieren - das Motto lautet: „Hilf uns, es selbst zu tun.“

 

Mit allen Sinnen und viel Freude lernen

Lust, Freude, Spaß am Lernen, an Grenzen stoßen, Hürden eigenständig überwinden, eigene Stärken kennen und Schwächen respektieren, Fehler machen und daran zu wachsen – all das bestimmt den Alltag von Kindern und Jugendlichen in einer Montessori-Umgebung.

In der Montessori-Pädagogik geht es nicht darum, dass ein Erwachsener den Schüler:innen Demokratie erklärt, sondern, dass die Schüler:innen sie in ihrem Alltag erleben und aktiv gestalten.

Das Ziel der Montessori-Pädagogik ist, Kinder auf ihrem Weg von der Kindheit zur Jugend zu begleiten und ihnen die Möglichkeit zu bieten, selbständige, mündige und unabhängige Bürger unserer Gesellschaft zu werden.

FAQ Für Familien

Häufig gestellte Fragen

 

Was ist eine Montessori-Krippe?

Die Montessori-Krippe ist die vorbereitete Umgebung für kleine Kinder im Alter von 0-3 Jahren. Alles, was für eine optimale menschliche Entwicklung dieser Altersstufe notwendig ist, ist in einer sicheren und für Kinder verfügbaren Umgebung vorhanden. Der internationale Fachbegriff ist: Assistants to Infancy

Was ist ein Montessori-Kinderhaus?

Das Montessori-Kinderhaus ist eine vorbereitete Umgebung für Kinder von 3-6 Jahren. Zum gemeinsamen Leben, Lernen und Wachsen. Alles, was für eine optimale menschliche Entwicklung dieser Altersstufe notwendig ist, ist in einer sicheren und für Kinder verfügbaren Umgebung vorhanden. Der internationale Fachbegriff ist: Primary/Casa dei Bambini/Children’s House

Was ist eine Montessori-Grundschule?

Die Montessori-Grundschule ist die vorbereitete Umgebung für Kinder im Alter von 6-12 Jahren. Alles, was für eine optimale menschliche Entwicklung dieser Altersstufe notwendig ist, ist in einer sicheren und für Kinder verfügbaren Umgebung vorhanden. Der internationale Fachbegriff ist: Elementary

Was ist eine Montessori-Sekundarschule?

Die Montessori-Sekundarstufe ist die vorbereite Umgebung für Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren. Alles, was für eine optimale menschliche Entwicklung dieser Altersstufe notwendig ist, ist in einer sicheren und für Kinder verfügbaren Umgebung vorhanden. Der internationale Fachbegriff ist: Adolescent

Was heißt eigentlich „Vorbereitete Umgebung“ genau?

Der Montessori-Gruppenraum oder die -Klasse ist eine Umgebung, die vom Erwachsenen für die Kinder und Jugendlichen vorbereitet wurde. Zu dieser Umgebung zählt das Außengelände, wie z.B. der Schulhof, genauso wie alle Innenräume, die den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen. Diese vorbereitete Umgebung enthält alles Notwendige für eine optimale Entwicklung jedes Kindes, aber nichts Überflüssiges. Zu den Merkmalen einer vorbereiteten Umgebung gehören Ordnung und Funktionalität, Schönheit und Einfachheit. Alles ist angepasst an Alter und Größe der Kinder und Jugendlichen gestaltet, um die Unabhängigkeit zu fördern. Erwachsene mit einer Montessori-Ausbildung und eine ausreichend große altersgemischte Gruppe von Kindern bilden ebenfalls einen wesentlichen Bestandteil der vorbereiteten Umgebung.

Jede Entwicklungsstufe hat eine eigene vorbreitete Umgebung.

Was bedeutet, dass Schüler altersübergreifend oder jahrgangsgemischt lernen?

In der Montessori-Pädagogik ist das einzelne Kind und die individuelle Lernentwicklung Ausgangspunkt des Unterrichts. Je diverser die Lerngruppe ist, um so vielfältiger ist die Möglichkeit voneinander zu profitieren. Jüngere Schüler lernen von älteren und ältere festigen Gelerntes durch Wiederholung.

Das gilt für Montessori-Kinderhäuser ebenso wie für Montessori-Schulen.

In der Umsetzung lernen in den Montessori-Grundschulen die Kinder von der 1.-6. Klasse oder von der 1.-3. und 4.-6. Klasse zusammen. In Anpassung an das klassische deutsche Schulsystem kann auch in einer Lerngruppe von der 1.-4. Jahrgansstufe gemeinsam geforscht und gelernt werden.

In einer Montessori-Sekundarschule sollten theoretisch Schüler von der 7.-12./13. Klasse gemeinsam lernen. In der Umsetzung und in Anpassung an das deutsche Schulsystem lernen und arbeiten Schüler der Jahrgangsstufen 7.-10. und 11.-12./13. zusammen.

Wer war Maria Montessori und was wollte sie mit ihrer Pädagogik?

Maria Montessori war Ärztin und leitete ab 1907 ihr erstes Kinderhaus (Casa dei Bambini) in Rom. Auf Grund ihrer Beobachtungen und empirischen Forschungen entwickelte sie ein pädagogisches Konzept für die Begleitung und Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen von 0 bis 18 Jahren. Inhalt und Methoden der Montessori-Pädagogik beruhen auf ihren Erkenntnissen über die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das Ziel der Montessori-Pädagogik ist, die individuelle Entfaltung der Kinder und Jugendlichen so zu fördern, dass das Kind in einem hohen Maß an Freiheit ganzheitlich lernt und gleichzeitig seinen Platz in der Welt erkennt und fähig ist, Verantwortung für sich zu übernehmen und am Frieden in der Gesellschaft mitzuwirken.

Stimmt es, dass in Montessori-Schulen jahrgangsgemischt gearbeitet wird?

Ja, das stimmt und es hat einen guten Grund. In allen anderen gesellschaftlichen, politischen und sozialen Bereichen arbeiten und leben Menschen in altersgemischten Strukturen. Warum also nicht auch in Schulen? In altersgemischten Gruppen lernen Kinder, Hilfe zu leisten und Hilfe zu empfangen. Beides ist wichtig für die geistige und soziale Entwicklung der Heranwachsenden. Altersgemischte Klassen reduzieren die Rivalität und fördern die Toleranz.

Welche Kinder werden an einer Montessori-Schule aufgenommen?

Montessori-Schulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen – unabhängig von Religion, Hautfarbe, Geschlecht und Einkommen der Eltern. Am Tag der offenen Tür kann ein Eindruck darüber gewonnen werden, ob das Konzept und die Arbeitsweise der Schule den Vorstellungen der Kinder, Jugendlichen und Eltern entsprechen. Nach ausführlichen Informations-/Elternabenden findet für jedes Kind ein Aufnahmegespräch an der Schule statt. Der Aufnahmemodus wird an den Schulen individuell gestaltet.

Ist die Montessori-Schule teuer?

Montessori-Schulen in freier Trägerschaft werden nur zum Teil durch Zuschüsse der öffentlichen Hand finanziert. Die staatlichen Zuschüsse sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Mit den Elternbeiträgen werden beispielsweise besonderes Lern-Material und die zusätzlichen Pädagogen bezahlt, die in den Lerngruppen eingesetzt werden. Die Höhe der Elternbeiträge richtet sich nach den Gegebenheiten der Einrichtung.

Worin unterscheiden sich Montessori-Schulen von anderen Schulen?

In Montessori-Schulen wird dem individuellen Lebens- und Lernweg der Kinder und Jugendlichen ein großer Raum beigemessen. Das Kind selbst ist die Quelle der Entwicklung, es ist „Baumeister seiner selbst“. Um seinen eigenen Weg gehen zu können, bedarf es der Begleitung und Unterstützung der Erwachsenen. Montessori-Pädagogen schaffen in einer „Vorbereiteten Umgebung“ die individuellen Rahmenbedingungen, orientieren sich an den Kindern und helfen jedem einzelnen Kind, seinen ganz eigenen, erfüllenden Weg zu finden.

Stimmt es, dass es an der Montessori-Schule keine Noten und kein Sitzenbleiben gibt?

An Montessori-Schulen in freier Trägerschaft wird soweit möglich grundsätzlich auf Ziffernnoten und Sitzenbleiben verzichtet. Die Lehrer:innen geben stattdessen individuelle Rückmeldungen und treffen sich regelmäßig mit Schülern und Eltern zu einem Reflexions- und Zielgespräch. Zweimal jährlich gibt es schriftliche Entwicklungsberichte. Nicht allein der Wissensstand, sondern ebenso die Gesamtentwicklung des Kindes ist entscheidend.

Welche Abschlüsse können an einer Montessori-Schule erreicht werden?

Grundsätzlich können die gleichen Abschlüsse an einer Montessori-Schule der Sekundarstufe erreicht werden wie an den staatlichen Schulen. Dies reicht – je nach Aufbau der Schule – vom erfolgreichen Hauptschul- bzw. Realschulabschluss bis zum Fachabitur bzw. zur allgemeinen Hochschulreife.

Montessori-Schulen nennen sich oft „Freie Schulen“. Was bedeutet das?

Der Begriff „Freie Schule“ kommt von der gesetzlichen Formulierung „Schule in freier Trägerschaft“ und hat mit der gelebten Pädagogik nichts zu tun. Die Schulgesetze unterscheiden öffentliche Schulen von Schulen in freier Trägerschaft.

Was bedeutet Freiarbeit?

Freie Arbeitszeit ist das Herzstück der Montessori-Pädagogik. In der Freiarbeit entscheidet das Kind, was es arbeitet, mit wem, wo und wie lange. Weil das Interesse an der Sache und der individuelle Lern- und Arbeitsrhythmus berücksichtigt werden, ist die freie Arbeitszeit die Zeit höchster Konzentration. Das Ziel der freien Arbeit ist selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten. Grundvoraussetzung hierfür ist eine „Vorbereitete Umgebung“, die kontinuierlich an die Lern- und Lebensbedürfnisse der Kinder und Jugendlichen angepasst wird.

Lernen Schüler:innen genug, wenn so viel Freiheit stattfindet?

Ja, aber sie lernen auf eine andere Art. Vielfältige Erfahrungen und auch vergleichende Studien mit Regelschulen zeigen, dass Kinder und Jugendliche in Montessori-Schulen gleich viel lernen. Sie erwerben dabei aber zusätzlich besonders hohe Kompetenzen in der Arbeitsplanung und in der selbstständigen Arbeit sowie in der Kooperation an gemeinsamen Arbeitsvorhaben und Projekten. Die freie Wahl der Arbeit in der „Vorbereiteten Umgebung“ und die altersgemischte Zusammensetzung der Lerngruppen motivieren und ermutigen Kinder, sich an Aufgaben heranzuwagen, die ältere Schüler bereits mit Freude und Stolz vormachen

Leise oder laut – wie ist die freie Arbeitszeit?

Weil alle Kinder ihrem Interesse nachgehen, vertiefen sie sich in ihre Arbeit. Sie wollen dabei nicht gestört werden und zeigen deshalb auch Respekt vor der Arbeit der anderen Kinder. Wenn sie etwas besprechen wollen, reden sie entsprechend leise. Aus dem Interesse der Kinder heraus entsteht eine angenehme Arbeitsatmosphäre der Ruhe und Konzentration.

Wie gelingen zugleich Individualisierung und Teamfähigkeit in Montessori-Schulen?

Individualisierung und Teamfähigkeit gelingen durch geeignete Rahmenbedingungen:

Individualisierung geschieht in Montessori-Schulen vom Kind aus, durch die freie Wahl der Arbeit, und berücksichtigt das Interesse und die Motivation des Kindes und sogar die Tagesform.

Teamfähigkeit wird durch die Bildung altersgemischter Lerngruppen begünstigt, in denen jedes Kind sich als ratsuchend oder helfend erleben kann. In der freien Arbeitszeit ist auch die Wahl der Partner freigestellt. Das gemeinsame Interesse an einer Arbeit lässt immer wieder neue Kleingruppen entstehen und führt zu konstruktiver Kooperation.

Welche Erziehungsvorstellungen der Eltern begünstigen einen Schulerfolg in Montessori-Schulen?

„Hilf mir, es selbst zu tun!“ könnte der Ausspruch eines Kindes im Montessori-Kinderhaus sein. Er wurde zum Leitsatz für Montessori-Pädagog:innen und erinnert daran, dass Kinder selbstständig werden und Verantwortung übernehmen wollen. Dieser Leitsatz sollte auch in den Familien gelten. Was sollten Eltern noch beachten?

Geborgenheit und Liebe schenken,

Durch verlässliche Tagesabläufe Sicherheit geben,

Mit dem Kind neugierig sein und staunen,

Respekt vor Mitmenschen und allen Lebewesen vorleben.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist jedoch, dass Eltern ausreichend Vertrauen haben in die Selbstkompetenz ihres Kindes und ihm damit genügend Freiraum für selbstständige Erfahrungen gewähren können.

Wie stehen Montessori-Schulen zum Umgang mit dem Computer?

Der Computer ist ein Arbeitsmaterial in der „Vorbereiteten Umgebung“, wie andere Lern- und Arbeitsmaterialien auch. Der Umgang mit dem Computer wird altersentsprechend und zeitgemäß gelehrt.

Werden die Kinder an der Montessori-Schule weltanschaulich unterrichtet?

Maria Montessori selbst war Christin und nach einem jahrelangen Aufenthalt in Indien auch vom Buddhismus und Hinduismus beeinflusst. Für sie stand die Gleichberechtigung der Menschen in ihren verschiedenen Kulturen und Religionen im Mittelpunkt. So erhalten die Kinder in den Montessori-Schulen Kenntnis von allen großen Weltreligionen. Es gibt keine spezifische weltanschauliche Ausrichtung.

Was sagt die Gehirnforschung zum Lernen in Montessori-Kitas und -Schulen?

Unser Gehirn ist ein zeitlebens formbares Organ. Die Bedingungen, unter denen ein Kind aufwächst, sind ganz entscheidend (Gerald Hüther, 2002). Vom Kind selbst bestimmte Lernprozesse in Montessori-Einrichtungen sorgen für optimale Lernprozesse und damit für die bestmögliche Entwicklung des Gehirns. Wichtige Kernaussagen aus Wissenschaft und Forschung fließen kontinuierlich in unser pädagogisches Verständnis mit ein.

Ist ein Kinderhaus etwas anderes als ein Kindergarten?

Die Bezeichnung Kinderhaus geht auf die erste Einrichtung „Casa dei Bambini“ von Maria Montessori zurück. Das Montessori-Kinderhaus ist eine Einrichtung für Kinder von 3-6 Jahren.

In ihrer Grundausstattung (Räume, Personal, Erziehungs- und Bildungsauftrag) sind Kinderhäuse in großer Übereinstimmung miteinander.

Der Unterschied findet sich in der pädagogischen Konzeption, die nach den Montessori-Prinzipien ausgerichtet ist und vom Kinde aus gedacht und gestaltet ist. Ein Montessori-Kinderhaus bietet hierzu eine sehr große Palette an Material (Sprache, Sinne, Übungen des täglichen Lebens, Mathematik) und Bewegungsmöglichkeiten. Ziel im Montessori-Kinderhaus ist die größtmögliche Selbstständigkeit des Kindes in Balance mit einem sicheren Bindungsaufbau und Bildungsauftrag. Die dafür nach Maria Montessori „Vorbereitete Umgebung“ orientiert sich ganz an den Entwicklungsbedürfnissen des Kindes.

Gibt es auch Montessori-Krippen?

Ja. Die Montessori-Krippe ist die vorbereitete Umgebung für kleine Kinder im Alter von 0-3 Jahren. Der internationale Fachbegriff ist: Assistants to Infancy


In ihrer Grundausstattung (Räume, Personal, Erziehungs- und Bildungsauftrag) hat eine Montessori-Krippe großeÜbereinstimmungen mit anderen Einrichtungsarten.



Der Unterschied findet sich in der pädagogischen Konzeption, die nach den Montessori-Prinzipien ausgerichtet ist und vom Kinde aus gedacht und gestaltet ist. Eine Montessori-Krippe bietet hierzu eine sehr große Palette an Material (Sprache, Sinne, Übungen des täglichen Lebens) und Bewegungsmöglichkeiten. Ziel in der Montessori-Krippe ist die größtmögliche Selbständigkeit des Kindes in Balance mit einem sicheren Bindungsaufbau und Bildungsauftrag. Die dafür nach Maria Montessori „Vorbereitete Umgebung“ orientiert sich ganz an den Entwicklungsbedürfnissen des Kindes.

Sind die Kosten für einen Kita-Platz im Montessori-Kinderhaus höher?

Kosten für einen Betreuungsplatz hängen nicht von der pädagogischen Ausrichtung eines Kinderhauses ab. Hier haben vor allem die Länge der Betreuungszeiten, aber z. B. auch die regionalen Gegebenheiten, die Größe der Einrichtung, die Intensität der Elternmitarbeit und noch weitere Faktoren Einfluss. Die einzelne Einrichtung kann hier am besten Auskunft geben, wie hoch die Kosten für einen Platz sind und was die Gründe dafür sind.

Da eine Kinderkrippe von vornherein einen deutlich höheren Personalschlüssel bereit halten muss, sind die Beiträge in der Krippe auch wesentlich höher als in einer Einrichtung für 3 – 6-Jährige.

Warum kommt der „Vorbereiteten Umgebung“ so große Bedeutung zu?

Die Vorbereitete Umgebung soll das Kind in seiner Entwicklung lenken und leiten. Eine höhere Selbständigkeit des Kindes macht es erforderlich, dass die Dinge in der Umgebung so vorbereitet sind, dass sich das Kind möglichst selbst bedienen kann und nicht bedient werden muss. Außerdem hat die freie Wahl der Betätigung oberste Priorität (sofern das Kind mit dieser Freiheit umgehen kann!), denn nur das Kind selbst weiß, was es benötigt. Über ausreichende Beobachtung erfahren die Pädagog:innen, was benötigt und bereitgestellt werden muss.

Arbeiten Montessori-Kinderhäuser inklusiv?

In einer pädagogischen Definition lässt sich inklusiv am besten mit „einschließend“ beschreiben. In einer Gruppe sind also Begabungen und Interessen aller Art vertreten.

Eine Montessori-Einrichtung hält grundsätzlich für jedes Kind alles bereit, was es für seinen Selbstaufbau benötigt. Die Gruppen werden so zusammengestellt, dass ein Kind die Möglichkeit hat, sich an unterschiedlichen Entwicklungsständen zu orientieren und gerade im Alter der Nachahmung und Imitation enorm von den anderen zu profitieren. Um den besonderen Bedürfnissen mancher Kinder gerecht zu werden, sorgen Montessori-Einrichtungen für entsprechendes fachliches Knowhow, entweder über eigenes Fachpersonal oder im Einzelfall ergänzend über externe Dienste. Die Aufnahmekapazität für „Inklusionskinder“ kann jedoch aus diversen Gründen begrenzt sein.

Bei Montessori „arbeiten“ die Kinder, dürfen sie auch spielen?

Das Spiel und die Entwicklung der Spielfähigkeit haben auch in einem Montessori-Kinderhaus höchste Priorität. Die Bezeichnung „Arbeit“ ist ein Ausdruck der Wertschätzung für das, was das Kind tut. Durch die Polarisation der Aufmerksamkeit versinkt das Kind in „seine Arbeit“, um sich weiter zu entwickeln und seine Persönlichkeit auszubilden. Dies tut das Kind mit großer Selbstverständlichkeit, Leichtigkeit und Freude.

Die positive Assoziation zum Begriff Arbeit bildet die Grundlage für eine ausgefüllte und befriedigende spätere Berufstätigkeit.

Wie werden die Pädagoginnen und Pädagogen allen Kindern gerecht?

Montessori-Pädagoginnen und -Pädagogen haben in einem Montessori-Kinderhaus den großen Auftrag, die Kinder in das eigene Tun zu begleiten. Eine entsprechend vorbereitete Umgebung soll größtmögliche Selbständigkeit der Kinder ermöglichen. So gibt es ausreichend Phasen, in denen die nötige Zeit, die Ruhe und der Raum vorhanden sind für die Wahrnehmung und Beobachtung der einzelnen Kinder. In der Montessori-Krippe wird jede Pflegesituation als besondere Zeit der Zuwendung und zum Beziehungsaufbau genutzt.

Gibt es in Montessori-Kinderhäusern mehr Personal als in anderen?

Der tatsächlich angebotene Betreuungsschlüssel liegt in der Hand der jeweiligen Einrichtung, denn die Bezuschussung des Personals unterliegt den gesetzlichen Vorgaben. Gewünschter Mehrbedarf wird von staatlichen Stellen finanziell nicht unterstützt. Trotzdem versuchen Montessori-Einrichtungen, aus Elternbeiträgen und anderen Einnahmequellen, Geld für einen höheren Personalschlüssel zur Verfügung zu stellen. Wünschenswert und anzustreben ist dies auf alle Fälle.

Was ist das Besondere am „Montessori-Material“?

Das Montessori-Material unterliegt einigen Vorgaben und muss in seiner Ästhetik, im Gebrauch und in der Darbietung hohen Ansprüchen genügen. Es gliedert sich auf in verschiedene Bereiche. Hinzu kommen im Kinderhaus Übungen des täglichen Lebens. Die große Besonderheit des Materials liegt in seiner Bedeutung als Entwicklungsmaterial. Das heißt, nicht Einzelheiten werden dadurch gelernt, sondern Zusammenhänge erfahren, Erkenntnisse gewonnen, Handlungs- und Bewegungsabläufe geübt, Neugierde wachgehalten und Motivation gefördert. Das Ganze geschieht über einen wissenschaftlich fundierten Weg, der isolierte Eigenschaften des Materials hervorhebt. Diese wissenschaftlichen Materialien beinhalten in der Regel die Möglichkeit der Selbstkontrolle, die auch als materialimmanente Fehlerkontrolle bezeichnet wird. Dennoch wird es von Maria Montessori „nur“ als „Schlüssel zur Welt“ gesehen, denn das größte Lehrbuch für Kinder ist die Natur!

Welchen Stellenwert haben die „Übungen des Praktischen Lebens“?

Die Übungen des praktischen Lebens lassen das Kind teilhaben an der Sorge für sich selbst, für die eigene Umgebung und damit auch an der Gemeinschaft. Zudem trainiert das Kind beim Kehren, Wischen, Schütten, Gießen usw. die gesamte Muskulatur und die Bewegungsabläufe. Übungen des praktischen Lebens sieht Maria Montessori auch als Vorübung für die Mathematik, das Schreiben und Zeichnen.

Müssen die Familien dann auch nach Montessori erziehen?

Es ist auf jeden Fall ratsam, dass sich Eltern, die ihr Kind in einer Montessori-Einrichtung haben, mit den Grundsätzen dieser Pädagogik vertraut machen. Die Kinder werden in der Einrichtung sehr stark in ihrer Verantwortungsübernahme gefordert und zu eigenen Entscheidungen ermuntert. Außerdem sind die Erwachsenen aufgefordert, die Kinder nicht zu bedienen, sondern ihnen zu dienen. Dieser feine Wortunterschied hat enorme Auswirkungen auf den Umgang mit Kindern und die Haltung der Erwachsenen. Eine ähnliche Haltung der Eltern unterstützt auf jeden Fall die Entwicklung des Kindes positiv. Vor allem kleine Kinder können durch den Erfahrungswechsel Selbermachen und Bedientwerden in ihrer Entwicklung stark gehemmt werden.

Muss jedes Kind im Montessori-Kinderhaus Schreiben und Lesen lernen?

Das Angebot zum Schreiben und Lesen lernen steht jedem Kind im Kinderhaus zur Verfügung. Die Begründung dieses frühen Angebotes liegt in der wissenschaftlichen Beobachtung Maria Montessoris, dass dafür eine sogenannte „Sensible Schreibphase“ im Alter zwischen 3½ und 5 Jahren sichtbar werden kann. Ihre wissenschaftlich begründete Forderung nach einem entsprechenden Angebot wird von neuesten Forschungen uneingeschränkt bestätigt. Selbstverständlich steht es dem Kind frei, dieses Angebot zu nutzen. Erfahrungsgemäß können viele Kinder aus einem Montessori-Kinderhaus bei der Einschulung schreiben und lesen. Alle Schulen sind aufgefordert, sich auf die individuellen Entwicklungsstände der Kinder mit vermehrten Differenzierungsangeboten einzustellen.

Ist Montessori-Pädagogik antiautoritär?

Eine Erziehung in Freiheit nach Montessori hat nichts mit antiautoritärer Erziehung zu tun. Nicht die Freiheit von etwas, sondern die Freiheit zu etwas begleitet den montessorischen Weg. Viele Kinder sind mit dem Freiheitsrahmen, den sie bekommen, überfordert. Dann ist keine Entwicklung möglich. Montessori beschreibt den von ihr geforderten Freiheitsbegriff mit einem Beispiel: Einem Vogel, der es gewohnt ist, in Bäumen zu leben, schenken wir nicht die Freiheit, wenn wir ihn in die Wüste entlassen.

Wo findet soziales Lernen statt, wenn Kinder so viel alleine arbeiten?

Viele Arbeiten und Beschäftigungen macht das Kind für sich alleine. Doch von Beginn an, bereits in der Krippe, ist es ihm möglich, andere zu beobachten, nachzuahmen und auch vieles miteinander zu machen. Es gibt vorbereitete Bereiche, die dazu einladen, zu zweit oder in einer kleinen Gruppe tätig zu werden. Gemeinsame Zeiten gibt es in Tageskreisen, im Garten, beim Mittagessen und vielen weiteren Gelegenheiten. Die Kinder werden in ihren Kontakten – wenn nötig – darin so begleitet, dass diese Begegnungen gelingen können und eine motivierende Erfahrung bleiben.

Wie kommen die Kinderhauskinder in der Schule zurecht?

Seit mehreren Jahrzehnten gibt es bereits Montessori-Kinderhäuser und die Erfahrungen beim Übergang in die Schule (Regelschule und Montessori-Schule) sind hervorragend. Die Kinder sind starke Persönlichkeiten, haben gelernt, sich um ihre eigene Person zu kümmern und können sich so in der neuen Entwicklungsphase ganz den Themen der Schule und der neuen Gruppe widmen.

Ein Kind, das sich seiner selbst sehr sicher ist, kann sich besser als andere auf neue Situationen und Erfahrungen einlassen.

Warum arbeiten im Montessori-Kinderhaus Eltern oft mehr mit als in anderen?

Ein vertrauensvolles Miteinander ist schon allein im Sinne einer guten Erziehungs- und Bildungspartnerschaft sehr wünschenswert. Für uns ist ein guter Dialog zwischen den Erziehungsberechtigten und dem Kinderhauspersonal absolut notwendig, um gute Erziehungsarbeit leisten zu können. Viele Kinderhäuser nutzen deshalb Tätigkeiten rund um den Alltag, um Eltern in diesen Auftrag einzubinden und damit Einsicht in die Arbeit der Einrichtung zu ermöglichen. In manchen Einrichtungen gibt es Zusatzangebote und Besonderheiten, die sich nur auf der Basis von Elternmitarbeit aufrechterhalten lassen.

Es gibt vereinzelt auch Einrichtungen, die ohne konkrete Elternmitarbeit konzipiert sind.

Wie sind die Pädagogen im Montessori-Kinderhaus ausgebildet?

Ein Montessori-Kinderhaus muss die gesetzlichen Voraussetzungen bezüglich fachlicher Ausbildung des Personals erfüllen. Die Erzieherinnen und Erzieher, sowie Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger haben also die staatliche Anerkennung. Zusätzlich ist es ein Qualitätsmerkmal unserer Einrichtungen, dass das Personal eine Aus- und/oder Weiterbildung in Montessori-Pädagogik hat. Diese Qualifikationen können in Form von Zertifikats- oder Diplomkursen nebenberuflich belegt werden. Viele Teams bilden sich auch in ihrer Einrichtung weiter und fordern Dozenten für eine Ausbildung vor Ort an – Teamentwicklung eingeschlossen!

Ist die Montessori-Pädagogik heute noch zeitgemäß und wissenschaftlich fundiert?

Unser Gehirn ist ein zeitlebens formbares Organ. Die Bedingungen, unter denen ein Kind aufwächst, sind ganz entscheidend (Gerald Hüther, 2002). Vom Kind selbst bestimmte Lernprozesse in Montessori-Einrichtungen sorgen für optimale Lernprozesse und damit für die bestmögliche Entwicklung des Gehirns. Wichtige Kernaussagen aus Wissenschaft und Forschung fließen kontinuierlich in unsere pädagogische Definition mit ein.

Ist Montessori-Pädagogik zeitgemäß?

Ja. Eine Lernumgebung, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientiert und damit deren Entwicklung optimal unterstützt - davon sind auch im 21. Jahrhundert die meisten Bildungseinrichtungen weit entfernt.

Das umfangreiche Werk Dr. Maria Montessoris bietet eine Vielzahl an Antworten auf die Bildungsfragen unserer Zeit.

Ihre revolutionären Ideen – wie eine Schule ohne Noten, Lernen ohne Druck, Anerkennung des Individuums oder echte Inklusion – sind in der traditionellen deutschen Bildungslandschaft nach wie vor nicht umgesetzt. 

Montessori-Bildungseinrichtungen zeigen seit vielen Jahren, wie zeitgemäße Bildung im Sinne des Gemeinwohls funktioniert.

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